Corona und ich

Die Welt steht still, fast. In Italien sterben 800 Menschen am Tag, in Spanien 700, hierzulande, ich weiß es nicht. Infiziert sind schlappe 28.000. Ich erinnere mich an 7.000 vor etwa 12 Tagen, dann 9.000, 12.000 und so weiter.

 

Beim Bio gab es schon am letzten Donnerstag Desinfektionsmittel kurz nach dem Eingang, habe ich natürlich brav genutzt und auch beim Rausgehen, in meiner Markthalle war heute ein Spender angebracht, klar habe ich davon Gebrauch gemacht. Vielleicht hilft es ja. Der Mann an der Kasse war heute auch hinter Glas, es gibt rot-weiße Streifen am Boden, Abstand halten ist die Devise und der Einkaufswagen, der schon in der Nähe der Kasse platziert war, war voll mit, na?, ich konnte es kaum glauben, Clopapier! Mindestens 3 Pakete. Ich dachte, das Thema wäre jetzt mal durch. Letzte Woche, als ich nur noch zwei Rollen hatte, dachte ich, jetzt wird es Zeit, dass du auch mal danach guckst, in 5 Läden war nichts mehr da. Dann Donnerstag beim Bio frisch aufgefüllt, wunderbar, ich griff zu. Aldi hatte am Freitag keine Zitronen und Grapefruits mehr, war heute morgen aufgefüllt. Das scheint zu funktionieren. Man weiß ja nicht, ob die LKW innerhalb der wunderbar solidarischen  EU wieder irgendwo aufgehalten werden und die Versorgung doch ins Stocken kommt.

 

Ich lebe nicht gerne ohne Zitronen für meinen Tee und ohne Grapefruits für meinen morgendlichen frisch Gepressten. Und im Moment kann ich mir das noch gönnen, weil ich ja noch Geld habe und b es die Sachen noch gibt. Wie lange noch? Ich hätte nie gedacht, dass ich darüber einmal nachdenken müsste. Über das Geld schon, über die Waren niemals.

 

Für August habe ich mich schon im Februar für einen Mal-Workshop angemeldet und weiß, dass die Künstlerin zurzeit in Italien ist. Irgendwie ging sie mir bei den ganzen erschreckenden Zahlen nicht aus dem Kopf, so dass ich ihr eine E-Mail geschrieben hatte, um zu erfahren, ob es ihr gut geht und wo sie ist. Noch in Italien, sie nimmt das recht locker und sieht darin eine neue Chance. Ich kann es ja nicht mehr hören, Probleme als Herausforderungen und die Corona-Krise als Chance. Geht’s noch?  Im Sonntagsspaziergang (Deutschlandfunk) kamen gestern diverse Berichte, auch über Italien und über eine Gruppe, ich glaube in Österreich, die als Gruß an die Italiener „Bella ciao“ gesungen hat, verdammt, mir kommen schon wieder die Tränen. Dabei mag ich die Italiener nicht einmal besonders.  BaWü hat Frankreich Unterstützung angeboten, sie wollen Infizierte in ihre Krankenhäuser aufnehmen, find ich unglaublich gut. Russland hat Italien Hilfe angeboten, von der EU habe ich davon noch nichts gehört. Das Kunstgebilde führt sich in diesen Zeiten wirklich ad absurdum.

 

Chance, zu erkennen, dass nicht ewig so weitergeht, von dem wir dachten, dass es es täte? Chance, das Leben völlig zu verändern; Notwendigkeit vielleicht, aber Chance? Genauso wenig wie ich alle Erfahrungen machen muss, brauche ich derlei Chancen. Aber ich habe sie an der Backe, wie der Rest der Welt auch. Ich sehe die LKW mit den Särgen in Italien, anfangs fuhren sie nur nachts, jetzt auch am Tag, weil es einfach schon zu viele Menschen sind, nein Leichen, die hier transportiert werden müssen.

 

Wie geht es Euch?